Unified Commerce als Antwort auf den Strukturwandel

Frühjahr 2021. Die Corona Pandemie ist im vollen Gange. Der stationäre Einzelhandel erlebt durch die erneute lange Schließung die größte Herausforderung der Branche überhaupt. Während der Online Handel sowie Lebensmittelhändler profitieren, müssen vor allem Einzelhändler in den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Textilien und Lederwaren dramatische Einbußen hinnehmen. Der Handelsverband Deutschland HDE verzeichnete 2020 einen Rückgang um 23% in diesen Handelsbereichen. Ein Wert, den viele Händler nicht verkraften können. Experten gehen von einer Pleitewelle aus. Ob Corona die Ursache oder nur der Beschleuniger für diese Entwicklung ist, bleibt dahingestellt. Fakt ist aber, dass sich der Handel bereits seit Jahren in einem Strukturwandel befindet.

Als ein Weg zum Überleben des Einzelhandels hat sich vor Jahren der Omni Channel Commerce dargestellt. Die Verbindung unterschiedlicher Vertriebswege bei Bündelung aller dahinterliegenden Ressourcen, stellt das eigene Geschäft auf deutlich sicherere und effizientere Beine. Zudem bekommt der Begriff Skalierung erstmals eine reelle Chance. Zahlreiche Einzelhändler haben dementsprechend die Pandemie dazu genutzt, zusätzlich zu ihrem Ladengeschäft einen Online-Store aufzubauen. Damit ist ein wichtiger Schritt in eine tragfähige Zukunft geschaffen. Hoffentlich halten die Händler ihre duale Strategie auch nach Wiedereröffnung der Geschäfte bei.

Eine Schwäche des Grundprinzips Omni Channel stellt aber die etwas isolierte Betrachtung der einzelnen Bereiche dar. Kommt dazu noch die starre Verwendung eines ERP Systems, werden die Synergien nicht entsprechend gehoben. Und genau hier setzt Unified Commerce an.

Unter Unified Commerce versteht man die Verbindung aller kundenorientierten Kanäle und Interaktionen mit allen Backend Funktionen unter Nutzung einer zentralen Plattform. Dies ermöglicht einen umfassenden und ganzheitlichen Blick auf die Unternehmung und vor allem auf die Customer Experience. Mit diesen Erkenntnissen ist eine deutlich höhere Kundenorientierung möglich und schafft die Grundlagen für eine agilere Anpassung des Geschäfts an den aktuellen Bedarf.

Im Kern von Unified Commerce stehen 3 Elemente:

Data Management (Software)

Sämtliche kundenbezogenen Daten müssen mit allen Fulfillment- und Backend-Informationen und Systemen verbunden werden und ganzheitlich ausgewertet und genutzt werden. Diese hochkomplexe Infrastruktur verlangt nach hochspezialisierten Lösungen von Experten. Hier haben sich beispielsweise die Lösungen von Spryker oder Roqqio bewährt.

Echtzeit Unternehmensführung

Im Gegensatz zu klassischen und oft starren ERP-Systemen zielt Unified Commerce auf eine Steuerung des Unternehmens in Echtzeit ab. Durch die Zusammenführung aller Daten und Prozesse gelingt es Unternehmern, schnell und flexibel zu agieren.

Customer Experience

Im Mittelpunkt steht der Kunde, der durch die agile Anpassung der Geschäftsprozesse schneller, zielgerichteter und besser bedient werden kann. Dies geschieht insbesondere durch das Einreißen von Silos und der ganzheitlichen Steuerung des Unternehmens.

Der Februar 2021 hat ein schönes Lehrbuchbeispiel für die Möglichkeiten von Unified Commerce geliefert. Während sich das Land bereits im Winter Sale befand, teilte eine Wetterfront das Land mehrfach in unterschiedliche Klimazonen. Von frühlingshaft bis zum tiefsten Wintereinbruch war in Deutschland alles möglich. Standardplanungen hätten den Sale unabhängig von der Wetterlage fortgesetzt. Produktions- und Ausverkaufsplanungen wären unverändert weitergelaufen. Mit Unified Commerce hätten Kunden gemäß ihren regionalen Wetterbedingungen spezifische Angebote erhalten. Die Lagerbestände und die Produktion könnten entsprechend ausgerichtet werden. Und der Ertrag für den Shop hätte massiv optimiert werden können. Natürlich hätten Teile dieses Prozesses auch manuell beeinflusst werden können. Der Unterschied im Unified Commerce ist aber, dass die Sichtweise wie schon erwähnt ganzheitlich und datengetrieben ist. Dieses Beispiel zeigt eindringlich, welchen Einfluss Daten und Technologie auf den Handel von morgen haben werden.

Die Pandemie ist dabei nur stellvertretend für Einflüsse von außen, die den Handel massiv verändern werden. Wahrscheinlich wird Corona auch nicht die letzte Herausforderung bleiben. Wer jetzt nicht umbaut und mit der Zeit geht, wird in eine schwierige Zukunft gehen. Denjenigen, die Technologie verstehen und sie zielgerichtet einsetzen, stehen hingegen alle Türen offen.